Am 4. März 2026 kamen Partner aus der Forschungs- und Industrielandschaft an der RWTH Aachen University zum Kick-off des neuen, vom BMWE geförderten Verbundprojekts Klär-vision zusammen, das bis Ende 2028 laufen wird. Das Treffen war sehr gut besucht und von einer positiven, engagierten Atmosphäre geprägt; es vereinte mehr als ein Dutzend Partner – von Anlagenbauunternehmen bis hin zu Betreibern großtechnischer Klärschlammverbrennungsanlagen – und setzte damit von Beginn an einen ausgesprochen kooperativen Ton für die bevorstehende Zusammenarbeit. Für uns am Lehrstuhl für Energieverfahrenstechnik (EVT) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg stellt das Projekt eine direkte Fortsetzung unserer Arbeiten im Rahmen von ProKläR-mission (2023–2025) dar, in denen wir wichtige Grundlagen zur Prozessoptimierung und zur Reduktion von Lachgasemissionen in stationären Wirbelschichtfeuerungen gelegt haben.
Die zentrale technische Herausforderung, die Klär-vision adressiert, ist eine, die Betreiber von Klärschlammverbrennungsanlagen seit Langem einschränkt: die Agglomeration in der Wirbelschicht, deren Folgen von Prozessinstabilitäten bis hin zu ungeplanten Anlagenstillständen reichen können. Um dieses Risiko zu beherrschen, mussten die Verbrennungstemperaturen bislang konservativ gewählt werden – gerade höhere Temperaturen sind jedoch erforderlich, um die Emissionen von Distickstoffmonoxid (N₂O) zu senken, einem Treibhausgas, das rund 270-mal klimaschädlicher ist als CO₂. Klär-vision geht diesen Zielkonflikt an, indem der im Rahmen von ProKläR-mission entwickelte Online-Agglomerationsmonitor zu einem KI-gestützten Frühwarnsystem weiterentwickelt wird, das auf Echtzeit-Sensordaten basiert, die aus Laboranlagen und Industrieanlagen des Konsortiums zusammengeführt werden. Unser Beitrag am EVT liegt dabei auf der systematischen Untersuchung und Optimierung von Gegenmaßnahmen – also den praktischen Reaktionsstrategien, die Betreiber unmittelbar einsetzen können, sobald das System ein sich anbahnendes Problem meldet.
Besonders spannend an diesem Projekt ist, dass die Ergebnisse so ausgelegt sind, dass sie in bestehenden Anlagen ohne grundlegenden Umbau implementiert werden können. Die Stärke und Vielfalt des Projektkonsortiums gibt uns die Zuversicht, dass die Datengrundlage robust genug sein wird, um Ergebnisse zu liefern, die nicht nur für unsere eigene Versuchsanlage gelten, sondern auch auf unterschiedliche Anlagenkonfigurationen und Betriebsbedingungen übertragbar sind. Wir danken allen Beteiligten für das erfolgreiche Kick-off-Meeting in Aachen und freuen uns auf einen anregenden wissenschaftlichen Austausch.
